Unsere erste get shorties edition einer Autorin. Da werden auch tatsächlich mal Frauenthemen angesprochen. Aber hallo! Witzig, alltagsnah und äußerst kurzweilig. Das lohnt sich für erwachsene Mädchen wie für Jungs, da mal reinzulesen.
21 Kurzgeschichten verteilt über 138 Seiten.
ISBN 978-3-9814278-8-2        8.- Euro

Ne kleine Leseprobe gefällig?


Eine Frau sieht rosa

Der gute Ingo kam zu mir und stellte fest:
»Du bist doch eine Frau?«
Ich habe ein kleines Fragezeichen am Ende des Satzes
gehört, so als wäre er sich nicht ganz sicher.
»Stimmt«, sagte ich und fragte mich gleichzeitig,
was mich verraten hatte.
»Kannst du nicht mal über ein Frauenthema schreiben?«
Für mich klingt das wie eine Drohung. So als würde
die Frau, die für o.b.'s Werbung macht, sich mit der
vereinen, die Yogurette auf 'ner Schaukel frisst, und
zusammen hüpfen sie dann über eine Blumenwiese.
In einem weißen Kleid. Und ich kotze im Strahl einen
Regenbogen.
Es gibt diesen Werbespot für ein Haarpflegeprodukt.
Die Werbewirkung ist völlig an mir vorbei
gegangen – ich hab es oben rum gern einfach und
unkompliziert. In diesem Werbespot, der lief nicht
oft, vielleicht kennen sie ihn nicht – ist eine magersüchtige
Modeline zu sehen, mit langem, wallendem
Haar, deren einziges Problem auf dieser Welt
darin besteht, dass ihre Frisur Punkt halb vier in
sich zusammenfällt – wir reden hier von einem haarigen
Fukushima, einem weltbewegenden Ereignis.
Bäm. Haare im Arsch. Leben im Arsch. Punkt halb
vier verlässt sie der Lebensmut, ihr Freund macht
Schluss, sie verliert den Job, die beste Freundin lästert
über sie, Mutti eröffnet ihr, sie sei adoptiert, und
ein Obdachloser sagt ihr in der Fußgängerzone, sie
sei fett. Und nur dieses eine Haarprodukt, dessen
Name ich vergessen habe, könnte sie zukünftig vor
solchem Unheil bewahren – weil die Haare an Ort
und Stelle bleiben, bis zum Feierabend. Ich denke
dann unweigerlich daran, dass die Modeline ein
Kind adoptiert hat, weil sie sich die Figur nicht
ruinieren wollte, und dieses Goof zieht sie nach
Feierabend an den Haaren und kotzt sie voll. Frauenthemen
also. Kann ich voll gut. All das passiert in
meinem Kopf, und ich sehe Ingo an. Schwester Innerlich
beschwert sich bei mir: Das will doch keiner.
Ich bin mit Brüdern aufgewachsen, und das sage ich
so wie man sagen würde: Ich bin mit Wölfen aufgewachsen.
Das prägt.
Meine Eltern hatten die Marotte, dass es zu jedem
Fest – Geburtstag, Weihnachten und Ostern – Bücher
gab wie bei anderen Leuten Socken. Ich wurde
also regelmässig gefragt, was ich denn lesen wolle
und einmal sagte ich "Wendy", weil meine Freundinnen
alle diese Gaul-Geschichten lasen und ich
wissen wollte, was da dran ist. Meine Brüder waren
damit unzufrieden. Erst höhlten sie die Bücher aus,
anschließend steckten sie einen China-Böller hinein
und jagten das Ganze in die Luft. In meinem
Zimmer. Das war der dezente Hinweis: ›Wünsch dir
wieder TKKG, wir haben die Reihe noch nicht voll.‹
Dann hatte ich eine Phase, da wollte ich unbedingt
Barbie-Puppen haben, samt Ken und Häuschen
und Cabrio und allem drum und dran. Ich merkte
bei meinen Eltern schon im November vorausplanend
und wochenlang an, wie brav ich gewesen sei.
Dann erhielt ich einen Brief, richtig mit Umschlag
und Briefmarke und ausgeschnittenen Buchstaben.
In dem Brief war auch ein Foto, so ein Polaroid von
meinem Teddy Bruno. Brunos Maul war mit Paketband
zugeklebt, die Augen verbunden mit einem
orangefarbenen Karategurt, unter seinem Kinn war
ein sehr großes Küchenmesser zu sehen, welches
ihm schon ein paar flauschige braune Härchen abgetrennt
hatte. Die Botschaft lautete: ›Wünsch dir
Lego zu Weihnachten, oder der Teddy stirbt.‹
(.....)
Weiter geht es im Buch!!!