Aktuelle Presse zur Lesetour von Ralf Welteroth: "Unter Eselsbrücken" 
                                                      & Harald Riegg: "Stärkere als du"
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Badische Zeitung 14.11.2008 von Marianne Schwander

"Ach, man möchte am liebsten sofort nach Pirmasens oder Quedlinburg eilen, um Ralf Welteroth zu beglücken und zum Vollenden des Werks beitragen.(...)
Poesie aus Absurdistan, akrobatische Wort-Jonglagen, krude Alltagsbetrachtungen und viel Skurriles sind auf 96 Seiten versammelt.

(...) Vergleiche mit Max Goldt drängen sich auf, gehen aber am Kern des Pudels vorbei."

Den ganzen Artikel finden Sie unter:  http://www.badische-zeitung.de/die-geraeusche-eines-dienstags



Heilbronner Stimme am 10.10.2008

Die Feigenbaum-Konstante und andere Kuriositäten
November 10, 2008
Im Doppel auf Lesereise: Harald Riegg und Ralf Welteroth
Wer Frust in permanenten Fressorgien erstickt, sollte sich nicht wundern, wenn er, oder sie, eines Tages in einer „Freakshow“ landet. Fellini könnte Pate gestanden haben, bei Harald Rieggs gleichnamiger Geschichte, die harmlos beginnt und beim Sex mit der dicksten Frau der Welt für den Partner, ein Siamesisches Zwillingspaar aus Zyniker und Poet, tödlich endet. Auch die zweite, noch unveröffentlichte Story, die der Autor in der Buchhandlung Dichtung und Wahrheit zum Besten gibt, nimmt eine böse Wendung. Frei nach dem Muster „Wer andern eine Grube gräbt…“ löst ein Konfetti-Scherz in „Echt nur Spaß“ eine Lawine von Folgen aus, deren Sogkraft unweigerlich im Verderben mündet.

Der Einstieg selbst erlebt, der Ausgang durch eine Zeitungsnotiz in der Heilbronner Stimme angeregt, spinnt Riegg von Anfang bis zum bitteren Ende seiner Geschichten Fantasiefäden, deren Stringenz und Reißfestigkeit ebenso überraschen, wie die ätzscharfe Beschreibung seiner Protagonisten.
Während bei Riegg der Abgrund düster, der Sturz gewiss und die Erzählweise linear ist, hält Ralf Welteroth vieles in der Schwebe. „Wenn etwas schlecht anfängt, dann sagt man: das fängt ja gut an!“ schreibt der Freiburger Schriftsteller. Im Nebenberuf Musiker und Geschmackspolizist bekennt er, dass seine Überschriften nicht unbedingt mit dem Inhalt korrespondieren.

Was also steckt hinter einem Endlostitel wie: „Ein völlig evangelisches Pferd wird nicht müde zu behaupten, es sei überhaupt nicht müde“? Ebenso absurd und skurril die Geschichte eines Sprachabstinenzlers, der sich vornimmt, eine Woche lang mit nur zwei Wörtern, „Müll“ und „langsam“, auszukommen. Wie lautete der Titel nochmal, fragt man sich am Ende: „Mit einem blauen und einem weinenden Auge“. Ach ja, und grübelt weiter. Keine Regel ohne Ausnahme titelt eine Kulturgeschichte des Transpirierens tatsächlich „Über das Schwitzen“.

Mit Lust an angewandter Chaostheorie streut der passionierte Hobbyfußballer Begriffe ein, wie „Feigenbaum-Konstante“, umspielt „Unter Eselsbrücken“ (bei Maringo frisch edierte Kurzgeschichten) elegant Sprachkonventionen und dribbelt sich von inhaltlicher Bedeutungslast frei. Eine höllisches Vergnügen, den Glauben an die vermeintlich unbestechliche Logik der Sprache auszuhöhlen.

Dem Publikum bereiten die literarischen Kuriositäten der beiden Stammautoren von get shorties - der beliebten Stuttgarter Lesebühne - ein teuflisches Vergnügen.

Mehr von der Autorin und Journalistin Leonore Welzin: http://leowelzin.wordpress.com